Sowjetische Stadtplanung

Einer der 5 Stadtbezirke von Chișinău ist Ciocana. Das besondere daran ist, dass es nicht historisch gewachsen ist wie die anderen Viertel, sondern komplett am Reißbrett entworfen wurde, ein typisches Beispiel an Stadtplanung in der Sowjetunion. Es gibt zwar mit Ciocana Veche (“Alt-Ciocana”) eine kleine Siedlung in der Nähe, aber die ist komplett abgetrennt und hat mit dem neuen Teil nichts zu tun.

Um das ganze errichten zu können braucht man aber natürlich Platz, und den findet man logischerweise nur außerhalb der Stadt. Und so entstand der neue Stadtteil auf der grünen Wiese und ist heute nur sehr schlecht zu erreichen. Es gibt zwei Hauptstraßen Richtung Zentrum, eine davon ist zu steil für Busse und so müssen sie entweder eine Ausweichstrecke um die Steigung herum fahren, oder die viel befahrene andere Hauptstraße nehmen.

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Ciocana, oben der Kreisel, unten die Wohnblöcke. Quelle: kishinev.ru

Billiger Wohnraum

In den 1960er Jahren, während Moldawien ein Teil der Sowjetunion war, sorgte man für billigen Wohnraum, indem man riesige Wohnblöcke errichtete. Was sich jetzt nach grauen Wohnblocks anhört, war allerdings durchaus durchdacht. Es ist genau eine Straße die 5,2km lang ist. Dreispurig mit einem etwa 50m breiten Grünstreifen in der Mitte, wie eine Art Promenade. Überhaupt war alles recht geräumig ausgelegt.

Und so gibt es mehrere Buslinien, die die Straße rauf und runter fahren, und da es nur wenige Wohnblöcke links und rechts der Hauptstraße gibt, kann man eigentlich jede Wohnung hier in Ciocana vom Bus aus in maximal 10 Minuten zu Fuß erreichen. Und damals hatte das seinen Charme, heute ist es aber weitgehend heruntergekommen. So leben im Moment etwa 110’000 Menschen hier, die meisten in Gebäuden aus den 60er Jahren.

Fabriken direkt daneben

Genau in der Mitte, bei 2,6km ist ein riesiger Kreisverkehr, der die Wohnanlagen im Norden mit den Fabriken im Süden abtrennt. Dort ist auch der Marktplatz, wo man alles kaufen kann was man benötigt, es besteht in der Theorie nichtmal die Notwendigkeit den Stadtteil zu verlassen, denn dazu erschließt sich ein riesiges Gewerbegebiet im Süden, welches heute aber meist nur aus – zum Teil verlassenen – Lagerhallen besteht. Die meisten Arbeitsplätze befinden sich derzeit im Zentrum und so wälzt sich jeden Morgen eine Blechlawine durch die zwei Hauptstraßen Richtung Zentrum und Abends wieder zurück.

Nachtrag:

Ich wurde darauf hingewiesen, dass der Baubeginn von Ciocana eher Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre war. Danach wurde dann immer wieder etwas erweitert, teilweise werden auch jetzt noch weitere Häuser hinzugebaut.

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1 Response

  1. 08.02.2016

    […] in anderen Städten des damaligen Ostblocks (z.B. in Chisinau), wurde auch hier in Krakau ein neuer Stadtteil “Nowa Huta” erbaut. Der Name (auf […]

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